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Mitten im Leben neu beginnen. Raus aus dem überfordernden Alltag und der zu eng gewordenen Partnerschaft. Endlich Luft zum Atmen und Träumen, endlich Platz für Wünsche.

Amelie lebt nun in einer Stadt für Anfänge und überraschende Begegnungen. Sie genießt es, unterwegs zu sein, zu malen – und sich zu verlieben. Der Verdacht, an Krebs erkrankt zu sein, verändert alles: Amelie gerät in einen Irrgarten aus Angst und Hoffnung. Doch da ist auch das Bedürfnis, dem inneren Kompass zu folgen. 

Einfühlsam, klug und kenntnisreich gelingt es der Autorin, Gegenbilder zum Üblichen zu entwerfen. Das Streben nach Freiheit in Geborgenheit wird mit gesellschaftskritischen Gedanken verbunden, aber auch mit Fragen zu künstlerischer Arbeit, zu Ganzheit und Gesundung. 

Aus der Pressemitteilung des Verlages

Wer kennt es nicht aus dem eigenen Umfeld, der Familie oder dem Bekanntenkreis: unzufrieden in der Ehe, ausgebrannt im Job, antriebslos, erschöpft. Schließlich der drängende Wunsch auszusteigen, zu sich zu kommen, nochmal neu zu beginnen. Und gerade, als der Absprung vollzogen scheint, ein ernüchternder Verdacht: Krebs.

Renate Schoof nimmt sich in ihrem neuen Roman dem Thema "Selbstentfaltung" an. Kenntnisreich lässt sie ihre Hauptfigur Amelie Höhen und Tiefen des Bewusstwerdungsprozesses durchleben: durch die Malerei, bei einer Liebesaffäre, in der Therapie. 

Amelie wird mit essenziellen Fragen des Daseins konfrontiert: Wie mit einer schlimmen Diagnose umgehen? Welcher ist der richtige Weg zur Gesundung? Was bedeutet überhaupt "Lebendigsein"? Und: Sind Freiheit und Geborgenheit miteinander vereinbar?

Der Autorin gelingt es, in "Alle Wünsche werden erfüllt" literarische Ernsthaftigkeit mit spielerischer Leichtigkeit zu verbinden. Auch kontrovers diskutierte Themen spart sie nicht aus, so etwa das gesellschaftlich verordnete Schönheitsideal oder die Kritik am herrschenden Kunstbetrieb. Ein Roman, der perfekt in die Zeit passt.

Stimmen zum Buch

Renate Schoof ist ein sensibles, vielschichtiges Porträt einer Frau in einer Wendezeit gelungen. Minutiös, manchmal fast zeitlupenhaft wird deren Entwicklung, ihre Gefühls- und Lebenswelt nachgezeichnet. (Göttinger Tageblatt) 

Wieder hat Renate Schoof einen Roman vorgelegt, den es zwei Mal zu lesen lohnt. Einmal, um mit der Protagonistin durch Licht und Schatten zu wandern und um zu erfahren, wie die unendliche Liebesgeschichte ausgeht. Ein zweites Mal, um Einsichten in das Wesen von Sprache und Kunst nachzuspüren, um philosophische, politische und psychologische Betrachtungen zu überdenken, um Begegnungen mit Dichtern und Geistesgrößen, deren Ideen in Zitaten aufleuchten, zu intensivieren, vielleicht sogar, um das, was Amelie in der Kunsttherapie erlebt, einmal selbst auszuprobieren.
Renate Schoof ist ein Roman über die Kunst, die Liebe und die Krankheit gelungen, dessen Reiz in präziser Sprache, kritischer Offenheit und der Kraft liegt, innere Bilder zu erzeugen. (Neue Rheinische Zeitung-online) 

Leseprobe 1

… Sie spielt mit, fühlt sich auf einmal zu ihm hingezogen, genießt vor allem aber die Möglichkeit, dem Erwachsensein zu entfliehen, sehnt sich danach, zu spielen. Das Leben als ein großes Spiel. Die Verbissenheit, den übermäßigen Ernst und die Traurigkeit einfach loslassen, und sei es nur für eine Mittagspause.
Jakob, der Gedankenleser, kauft in einem romantischen Lädchen, das Amelie noch nie vorher aufgefallen war, ein kleines Flakon Rosenöl für sie, zaubert Heckenrosenduft in den Frühlingstag. Er ist ein Zauberer, der Straßen und Plätze verändert, als blühten die Perlhyazinthen nun blauer auf den Gräbern jenseits der Friedhofsmauer; als hätten ihm die Kinder den Fußball extra zugespielt, damit er ihn elegant zurückschießen kann. Auf einmal scheint alles leicht. Kein Grübeln, kein Gedanke an die bedrückende weltpolitische Lage. Keine Sorgen, kein schlechtes Gewissen, keine Traurigkeit.
Während er neben ihr geht, kann sie die Stadt durch eine rosa Brille sehen, kann aufhören zu denken, weil dieser Jakob Wassermann im Jetzt lebt und agiert.

Leseprobe 2

… unmittelbar vor den beiden Operationen hatte sie eine Art Todesangst gespürt, Panik, nicht wieder aufzuwachen, hatte innerlich gefleht, weiterleben zu dürfen, nur das. Die Wolken, die Sonne, alles noch eine Weile sehen zu dürfen, hören, fühlen, tasten, schmecken, riechen: Sommerwiesen, Amselgesang, Kirschen, die warme Haut eines Menschen, Ölfarbe.
Und beim Aufwachen aus der Narkose war diese Freude zu leben dagewesen, war da, ohne Bedingungen und Ansprüche. Dankbarkeit, bleiben zu dürfen, trotz Schmerz und Schwäche. Nun hört sie die Amsel manchmal singen, aber es erreicht sie nicht. Sie möchte sich freuen und kann es nicht. Hiersein ist herrlich, Vokabeln aus einer anderen Welt.
Gunnar hat ihr manchmal vorgeworfen, sich mit ihren Gedankenflügen an der Oberfläche zu halten. Nein, sie hatte niemals Angst vorm Fliegen, ist ihr ganzes Leben über alles hinweggeflogen. Sie hat Angst vor der Dunkelheit der Erde, vor der Ameisenperspektive, hat Angst, festzustecken im Morast des Alltags, in Tiefen zu geraten, die sie nicht kennt. Wie bei einem Pfeil stammt ihre Kraft aus dem Schwung, nicht aus der Mühe, stammt aus Freude und Begeisterung. Pflichten lähmen sie.

Leseprobe 3

Zu einer Überraschung wird für Amelie die Einführung der Farbe Rot. Neben den Schälchen mit Blau und Gelb steht ein kleines Gefäß mit roter Aquarellfarbe, ein leuchtendes Blutrot. Die Maltherapeutin bittet darum, wie gewohnt mit dem Blau zu beginnen, langsam das Gelb und damit nach und nach auch Grün hinzuzunehmen, um sich dann an das Gefühl zu erinnern, als zum ersten Mal im Leben etwas fremd und bedrohlich in die Kinderwelt eindrang. Eine Situation, ein Gefühl, dass etwas Fremdem, etwas Bedrohlichem, begegnet werden muss. Der Einklang mit der Umgebung wird gestört.
„Und in diesem Moment kommt das Rot ins Spiel.“ Elina Töpfers Stimme triumphiert geradezu. „Das Rot ist Ihre Selbstbehauptung. Denn erst wenn etwas als außen, als fremd und anders erlebt wird, kann das Kind sein Ich spüren, in der Abwehr, der Verteidigung, in seinem Anderssein. Im Rot erhebt sich das Ich als wärmende Selbstbehauptung. Um ein ganz eigenes Ich zu entwickeln, müssen wir zunächst schmerzhafte Erfahrungen machen: unser Getrenntsein von der Mutter, von den Eltern, von Bezugspersonen, von der Umgebung. Und wir müssen lernen, hinzufallen, uns die Knie blutig zu schlagen und wieder aufzustehen und uns zu trauen, trotzdem wieder zu laufen und herumzutollen.“
Es ist still im Raum. Den Verlust der Einheit mit dem Umraum, all die kleinen und großen Schmerzen, die Enttäuschungen, die hilflose Wut, den brennenden Schmerz als Keime der Ichentwicklung zu begreifen, das erscheint allen neu, geradezu verstörend.

Leseprobe 4

Aus einem Brief an Amelie:
… Bewusst oder unbewusst sind einige Künstler „eingeweiht“ in das Geheimnis hinter den Dingen, finden Formen für Inhalte, die ihre Bilder sehenswert machen, die den Betrachter berühren und die im Gedächtnis haften bleiben. Kunst als Erforschung und Erweiterung des Gesichtskreises, mit den ihr eigenen Mitteln.
Spannend sind auch Bruchstellen, wenn etwas Neues auf den Plan tritt. Ein Freund von mir sagte vor vielen Jahren, Künstler, die den Namen verdienen, rängen an vorderster Front einer Gesellschaft und einer Epoche um Inhalte und Formen.

Aber wusstest Du, dass nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, wie überhaupt in Westeuropa, von den USA aus die nicht gegenständliche Kunst propagiert beziehungsweise durchgesetzt wurde? In Westdeutschland gab es seither vorwiegend Preise, Stipendien und öffentliche Aufmerksamkeit für L’art pour l’art. Gegenständliche Kunst galt als spießig, Kunst hatte „wertfrei“ zu sein, jedenfalls unpolitisch. Dass aber diese Vorgabe, die zu einem Trend wurde, nicht immer funktioniert, wird zum Beispiel deutlich an den nüchternen Bildern eines Edward Hopper, der die Seelenlosigkeit des American Way of Life porträtierte. Verstehe mich nicht falsch, Kunst ist für mich nicht Agitprop und ich schätze, wie gesagt auch die ungegenständliche Kunst. Aber ich habe etwas dagegen, wenn staatliche Organisationen aus kunstfernen Gründen mitbestimmen, welche Art von Kunst gefördert werden soll. Vorbehalte habe ich auch gegenüber vielen Formen von Aktionismus, von Gags, die vor allem ein dekadentes, übersattes Publikum von „Kennern“ erfreuen. Und ich glaube nicht, dass diese Einstellung etwas mit dem Alter oder einer wie auch immer gearteten „Gesinnung“ zu tun hat.
Du merkst, ich bin voller Verärgerung über die großen und kleinen „Windmaschinen“ des Kunstmarktes. Nichtigkeiten werden aufgebauscht, und Dummheiten führen in Sackgassen, während viele Menschen sagen, dass sie sich nicht für Kunst interessieren. Kein Wunder, wenn sie sich nicht angesprochen, nicht gemeint fühlen. Und so wie die angebliche „Politikverdrossenheit“ in Wahrheit ein Zeichen von Frustration und Ärger, ja Zorn auf die von Lobbyisten manipulierten Regierungsmitglieder und Parlamentarier ist, so ist das Desinteresse weiter Bevölkerungskreise an Kunst eine Reaktion auf das, was der Kunstmarkt bietet.
Ich hätte Dir noch viel zu schreiben, doch bevor Du mich für einen närrischen Ignoranten hältst, will ich Dir kurz von einem Eindruck berichten, den mein Freund mir vor einigen Jahren von der Kasseler Documenta mitbrachte ...